Bredstedt. Mit einem großen Jubiläumstag feiert das Naturzentrum Mittleres Nordfriesland sein 50-jähriges Bestehen. Los geht’s am Sonnabend, 13. Juni, von 10 bis 16 Uhr. Besucherinnen und Besucher erwartet in der Bahnhofstraße 23 ein abwechslungsreiches Programm mit Festakt, Führungen, Ständen und vielen Mitmachaktionen für kleine wie große Gäste.
Mit dabei sind unter anderem das Infomobil des Nationalparkamtes, Pfadfinder, die Jagdhornbläser, die Bredstedter Liedertafel, Jäger, Angler und Imker. Sie bieten Informationen und laden die Gäste zum Mitmachen ein. Auf dem Programm stehen Basteln, Schnitzeljagd, Bernsteinschleifen, Kinderschminken und ein Alpaka-Spaziergang. Für das leibliche Wohl wird mit Kaffee und Kuchen, Getränken und einem Foodtruck gesorgt.
Die Geschichte des Hauses
Gegründet wurde das Naturzentrum vor 50 Jahren vom damaligen Realschullehrer Walter Fiedler gemeinsam mit Schülern und Lehrern. Das bundesweit anerkannte Schulprojekt fand seine Heimat in der ehemaligen Berufsschule in Bredstedt. Die Stadt, viele Unternehmen und Einzelpersonen unterstützten das dem Naturschutz verschriebene Vorhaben. Auf zwei Etagen entstanden eigene „Welten“, die bis heute Einblicke unter anderem in Wattenmeer, Wald und Heide bieten.
„In Anbetracht der heutigen eher bunten und digitalen Welt der neuen Museumspädagogik wirkt das Naturzentrum naturbelassen und ruhig“, sagt Elke Grünberg vom ehrenamtlichen Team des Hauses. Gerade das werde von vielen Gästen geschätzt. „Großeltern zum Beispiel entdecken zusammen mit ihren Enkeln heimische Tiere und vielseitige Informationen zu den nordfriesischen Lebensräumen.“ Zu sehen seien zudem eine der größten Sammlungen von Vogelexponaten Norddeutschlands sowie ein lebendiges Bienenvolk im Garten, so Grünberg.
Kampf ums „Überleben“
Nach dem Ausscheiden von Fiedler, der für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, musste sich das Naturzentrum immer wieder neu erfinden. Vieles wurde ohne große finanzielle Unterstützung bewältigt. Der Sylter Künstler und Biologe Peter Kuhlemann realisierte gemeinsam mit dem damaligen Geschäftsführer des Naturzentrums, Johann-Georg Carstensen, unter anderem Dioramen, die bis heute den Charakter im Innern prägen. Viele Aufgaben konnten nur mit Hilfe Freiwilliger bewältigt werden.
Eine drohende Schließung wegen Einsparungsvorgaben des Landes konnte jedoch abgewendet werden. Dazu trugen das Engagement ehemaliger Schüler und die rechtliche Selbständigkeit des Hauses als „Naturzentrum Mittleres Nordfriesland e.V.“ bei. Die Stadt, die Gemeinde Reußenköge, die Kreisjägerschaft, der Kreisanglerverband, der Handels-und Gewerbeverein und der Naturschutzverein Mittleres Nordfriesland als Gründungsmitglieder erhielten das Haus und setzten mit Thies Thiessen und Hans Jacob Andritter einen aktiven Vorstand ein. Zusammen mit Annemarie Matthiessen wurden über viele Jahre Fördergelder erfolgreich eingeworben und Arbeitsstellen geschaffen.
Engagement und frische Ideen
Mit Aktionen wie „Taten statt Warten“ und „Nordfriesland blüht auf“ gewann das Naturzentrum engagierte Mitstreiter für Baumpflanzungen und naturnahe Gärten. 2011/12 wurde das Haus nach „Natura 2000“ ausgerichtet und gefördert. Für die Umgestaltung brauchte es Ideen, handwerkliches Geschick und frische Farbe. Dörte Carstensen aus Langenhorn überließ dem Haus rund 650 Tierpräparate, die bis heute gepflegt werden. Auch der Kreisanglerverband gestaltete einen eigenen Ausstellungsraum, der Imkerverein nutzt den Hinterhofgarten mit Pavillon und Beuten. Im Bereich Insekten unterstützte Volker Weinreich das Haus beratend.
„Entdecken und Bewahren“ steht nicht nur für die Aufgabe des Hauses, sondern auch für seinen eigenen Weg zwischen Aufbruch, Umgestaltung und Neuorientierung. Dazu gehören heute auch die Themen Klimawandel und erneuerbare Energien.
Treffpunkt für Bildung und Kultur
2021 folgte auf Thies Thiessen Maike Petersen als 1. Vorsitzende; zurzeit führt der 2. Vorsitzende Christian Schmidt das vakante Amt. Willi Klang im Büro und Erwin Kaiser als Hausmeister sichern in Teilzeit den Betrieb. Viele Ehrenamtliche prägen das Haus mit Veranstaltungen wie Pflanzenbörse, Bücherflohmarkt, Apfeltag, „Kunst-trifft-Natur“ und Bernsteinschleifen.
Ein Zukunftsworkshop Ende 2023 brachte neue Ideen und neue Mitwirkende. So entwickelt sich das Naturzentrum zunehmend vom Bildungs- zum Kulturzentrum – mit Vorträgen, Mitmachaktionen, Ausstellungen und Veranstaltungen. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, ist herzlich willkommen.




