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Bildungskonferenz: "Auf die ersten Jahre kommt es an"

Erstellt von F. Middendorf |

Breklum. Wie wichtig die frühen Kindheitsjahre für die Entwicklung eines Menschen sind verdeutlichte die kreisweite Bildungskonferenz in Breklum. Mehr als 200 Interessierte hatten sich auf Einladung des Netzwerks Bildung Nord mit der AktivRegion Nordfriesland Nord auf den Weg ins Christian Jensen Kolleg gemacht. Unter ihnen waren zahlreiche Lehrkräfte, Erzieher/innen und weitere Mitarbeiter/Innen von bildungsnahen Institutionen. „Was braucht ein Mensch, um sich gut zu entwickeln?“ lautete das Thema der Konferenz.

„Auf die ersten Jahre kommt es an“, betonte Prof. Dr. Renate Zimmer in ihrem Vortrag. Als Direktorin des „Niedersächsischen Instituts für Frühkindliche Bildung und Entwicklung“ (nifbe) ist sie ganz dicht dran an der Fragestellung der Bildungskonferenz. Sie brachte zahlreiche Beispiele aus ihrer beruflichen  Praxis mit nach Breklum.

Bewegung als Motor des Lernens

So verdeutlichte die Erziehungswissenschaftlerin, dass Kinder sich und ihre Welt am Besten
über Bewegung und sinnliche Erfahrungen kennenlernten. „Kinder erleben zuerst durch ihre körperlichen Aktivitäten, dass sie mit ihren Handlungen etwas bewirken können. Sie entwickeln über den Körper ein Bild von den eigenen Fähigkeiten, also vom Können und auch von den eigenen Grenzen.“

„Wie fühlen sich Kälte oder Wärme an? Was geschieht, wenn ich meine Rassel fallen lasse? Was, wenn ich in eine Pfütze springe? Wie halte ich auf einer Mauer die Balance?“ Es seien kleine Abenteuer, die Kinder neugierig machten und damit ihren Hunger auf ein Mehr an Erlebnissen und Erfahrungen steigerten, so Prof. Zimmer. Dies sei die Basis für eine gesunde Entwicklung, in deren Fortgang auch lustvolles und damit nachhaltiges Lernen möglich sei.
 
Gehirn profitiert vor allem von sinnlichen Erfahrungen

Renate Zimmer erläuterte dazu die Entwicklung des Gehirns. Es bilde unmittelbar nach Geburt Milliarden an Verbindungen (Synapsen)  zwischen den Nervenzellen. Dieses komplexe Netz ermögliche das Aneignen von Verhaltensweisen, Sprachen und anderem Wissen. Prof. Zimmer: „Je mehr sinnliche Erfahrungen ein Kind macht, desto effektiver entwickeln sich die Synapsen im Hirn.  Aufgabe von Eltern, Erziehern und anderen Bezugspersonen ist es also, diese Entwicklung von Beginn an anzuregen.“

Im Rahmen der Konferenz stellten sich einige vor diesem Hintergrund erfolgreiche  Projekte vor, wie der Waldkindergarten „Vier Jahreszeiten“ im Langenberger Forst bei Klintum, das „DELFI“-Projekt der Familienbildungsstätte Niebüll, die Kita „Rappelkiste“ der Lebenshilfe in Niebüll oder auch die nordfriesische Hebamme Hanna Pöhlmann.

Frühe Förderung als wertvolles Gut

Deutlich zu spüren war während der Konferenz der Wunsch nach Wertschätzung für die Arbeit in Frühförderung, Kita, Schule und weiteren Trägern von Bildung im weitesten Sinne. Wenn eine Gesellschaft eine gute und frühe Förderung von Kindern als wertvoll betrachte, dann müsse sie möglichst optimale Rahmenbedingungen schaffen und dies als Investition in Zukunft begreifen, so der Tenor. Prof. Renate Zimmer zitierte in diesem Zusammenhang John F. Kennedy: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: Keine Bildung.“

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